Wer sein Vintage-Velo, seinen Dreigänger oder sein klassisches Damenrad neu bereifen möchte, steht beim Thema Reifen oft vor einer verwirrenden Auswahl. Die Reifenmasse alter Schweizer Fahrräder wie Allegro, Condor oder Mondia sind vielfach bis heute gebräuchlich, aber die Bezeichnungen können Verwirrung stiften, da historische Zoll-Angaben, metrische Masse und moderne ETRTO-Codes nebeneinander existieren. Aber egal ob Retro-Stadtflitzer, Militärvelo oder klassisches Tourvelo – dieser Ratgeber hilft dir, den passenden Pneu für deinen Veloklassiker zu finden.

Übersicht: Die häufigsten Reifengrössen an alten Velos

Der Standard: 622 mm Innendurchmesser – 700 C

Bei alten Velos kommen meist Pneus mit einem Innendurchmesser von 622 mm zum Einsatz. Dies ist auch für aktuelle Fahrräder noch immer die gängige Standardgrösse, sodass ein passender Ersatz meist einfach zu finden ist. Wenn es sich bei deinem alten Velo um ein normales Touren-, Renn- oder Damenrad eines Schweizer Herstellers (z.B. Mondia, Alpa, Tigra, Villiger, Coronado) aus dem Zeitraum ab ca. 1950 handelt, dann ist die Chance gross, dass Standardpneus mit einem Innendurchmesser von 622 mm darauf montiert sind. Typischerweise sind diese Velos farbig lackiert und verfügen über eine Dreigang-Nabenschaltung von Sturmey Archer oder eine Kettenschaltung mit 5 bis 8 Ritzeln am Hinterrad. Pneus mit einem Innendurchmesser von 622 mm können verschiedene Breiten haben.

Einen Pneu mit einem Innendurchmesser von 622 mm erkennst du beispielsweise an Aufschriften wie diesen:

  • 28-622 oder 32-622
    Diese Grössenangabe nach ETRTO gibt die Breite (28 bzw. 32 mm) und den Innendurchmesser des Reifens (622 mm) an. Sofern im zweiten Zahlenblock 622 vermerkt ist, kannst du dir sicher sein, dass auch andere Pneus, die eine Bezeichnung mit 622 im zweiten Zahlenblock aufweisen, grundsätzlich auf dieselbe Felge passen (bspw. 25-622 oder 37-622). Die Breite ist derweil in gewissen Grenzen variabel (siehe Abschnitt XY).
  • 700 x 28 C oder 700 x 32 C
    Diese Grössenbezeichnung nach französischer Norm gibt den ungefähren Aussendurchmesser (700 mm) und die Reifenbreite (28 bzw. 35 mm) an, wobei der Innendurchmesser des Reifen durch den Buchstaben am Ende der Bezeichnung angegeben wird. Das C steht für 622 mm. Sofern auf einem Pneu der Buchstaben C am Ende der Bezeichnung vermerkt ist, kannst du also davon ausgehen, dass auch andere Pneus, die den Buchstaben C am Ende der Bezeichnung aufweisen, grundsätzlich auf dieselbe Felge passen (bspw. 700 x 25 C oder 700 x 37 C). Die Breite ist derweil in gewissen Grenzen variabel (siehe Abschnitt XY), der Aussendurchmesser spielt keine Rolle.
  • 28 x 1.75 oder28 x ¾
    Diese Zollbezeichnung gibt den ungefähren Aussendurchmesser (28 Zoll) und die Reifenbreite (1.75 bzw. ¾ Zoll) an. Ein Aussendurchmesser von 28 Zoll entspricht dabei oft einem Innendurchmesser von 622 mm, allerdings nicht immer. Wenn dein Pneu eine Zollbezeichnung mit 28 im ersten Ziffernblock hat, dann konsultiere die Tabelle im Abschnitt XY, um wirklich Klarheit über den Innendurchmesser zu erlangen.

Suchst du einen Pneu mit einem Innendurchmesser von 622 mm für ein altes Velo? Hier findest du unsere Auswahl für Touren- und Damenräder sowie für Rennräder.

Stangenbremsenfahrräder: 635 mm Innendurchmesser – 700 B

Bei alten Velos mit Stangenbremsen kommen in der Regel Pneus mit einem Innendurchmesser von 635 mm zum Einsatz. Stangenbremsen bzw. Gestängebremsen sind Bremsen, bei denen die Kraft nicht über Bowdenzüge, sondern über starre Metallstangen übertragen wird. Typischerweise handelt es sich dabei um Velos der 1950er- bis 70er-Jahre aus England (bspw. Raleigh, Rudge, Hercules, BSA), Holland (bspw. Gazelle, Batavus, Sparta) oder Italien (bspw. Bianchi, Atala, Legnano). Die Felgen solcher Räder sind meist breit und flach und aus verchromtem Stahl gefertigt.

Einen Pneu mit einem Innendurchmesser von 622 mm erkennst du beispielsweise an Aufschriften wie diesen:

  • 32-635 oder 40-635
    Diese Grössenangabe nach ETRTO gibt die Breite (32 bzw. 40 mm) und den Innendurchmesser des Reifens (635 mm) an. Sofern im zweiten Zahlenblock 635 vermerkt ist, kannst du dir sicher sein, dass auch andere Pneus, die eine Bezeichnung mit 635 im zweiten Zahlenblock aufweisen, grundsätzlich auf dieselbe Felge passen.
  • 700 x 28 B oder 700 x 38 B
    Diese Grössenbezeichnung nach französischer Norm gibt den ungefähren Aussendurchmesser (700 mm) und die Reifenbreite (28 bzw. 38 mm) an, wobei der Innendurchmesser des Reifen durch den Buchstaben am Ende der Bezeichnung angegeben wird. Das B steht für 635 mm. Sofern auf einem Pneu der Buchstaben B am Ende der Bezeichnung vermerkt ist, kannst du also davon ausgehen, dass auch andere Pneus, die den Buchstaben B am Ende der Bezeichnung aufweisen, grundsätzlich auf dieselbe Felge passen. Die Grösse 700 x 38 B ist die Standardgrösse für Drahtreifen bei Stangenbremsenfahrrädern und entspricht 40-635 im ETRTO-Format.
  • 28 x 1½
    Diese Zollbezeichnung gibt den ungefähren Aussendurchmesser (28 Zoll) und die Reifenbreite (1 ½ Zoll) an. Ein Aussendurchmesser von 28 Zoll kann dabei einem Innendurchmesser von 635 mm entsprechen, muss aber nicht. Die Grösse 28 x 1 ½ ist derweil die Standardgrösse für Drahtreifen bei Stangenbremsenfahrrädern und entspricht 40-635 im ETRTO-Format (vgl. Tabelle im Abschnitt XY). Beachte, dass die Grösse 28 x 1 ½ auch einen Wulstreifen bezeichnen kann (vgl. nächster Abschnitt zu Wulstreifen).

Spezialfälle: Wulstreifen und Collés

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Wulstreifen der Standard unter den Pneus. Wulstreifen haben am Rand einen Wulst, der in die dafür ausgelegte Wulst-Felge eingehakt wird. Wer ein Vorkriegsvelo oder ein frühes Nachkriegsmodell besitzt, wird womöglich einen Wulstreifen benötigen. Solche Velos sind oft an der gänzlich schwarzen Lackierung oder altertümlichen Rahmenformen wie dem Schwanenhals-Rahmen zu erkennen. Beim Militärvelo Model 1905 sowie beim klassischen Postvelo blieben Wulstreifen noch viele Jahrzehnte gebräuchlich. Ab den 1950er Jahren setzte sich dann der Drahtreifen als Standard durch – leichter, vielseitiger und bis heute die verbreitetste Ausführung. Die allermeisten Veloklassiker aus den 1960er bis 1990er Jahren fahren auf Felgen, auf die ohne weiteres Drahtreifen aus aktueller Produktion aufgezogen werden können.

In unserem Shop bieten wir Wulstreifen in den beiden gängigsten Grössen: 26 x 1 ½ (passend zum Militärvelo) und 28 x 1 ½ (passend zum Postvelo) an.

Bei alten Renn- und Bahnrädern kamen auch Schlauchreifen, sogenannte Collés zum Einsatz. Bei diesem Reifentyp, auch Tubular genannt, sind Reifenmantel und Schlauch eine geschlossene Einheit. Der Schlauchreifen ist rundum geschlossen, wobei ein spezieller Kleber den Reifen auf der Felge hält.

Reifengrössen: Masssysteme

Die verschiedenen Masssysteme

Reifenmasse sind bei Veloklassikern ein häufiges Thema – denn die Angaben auf alten Reifen können verwirrend sein. Der Grund: Es existieren vier verschiedene Systeme nebeneinander, die sich historisch in verschiedenen Ländern entwickelt haben.

Zollbasierte SystemeMetrische Systeme
Dezimalsystem
bspw. 26 x 1,375
Bruchzahlsystem
bspw. 26 x 1 ½
Französisches System
bspw. 700 x 35 C
ISO/E.T.R.T.O. System
bspw. 40-635

So werden die Masssysteme gelesen:

  • Dezimalsystem (zollbasiert) – Die Reifengrösse wird in Zoll mit Dezimalzahlen angegeben, z. B. 26 x 1,375. Die erste Zahl beschreibt den ungefähren Aussendurchmesser des Reifens, die zweite die Reifenbreite. Das System ist jedoch ungenau, da gleiche Zollangaben unterschiedliche tatsächliche Felgendurchmesser haben können.
  • Bruchzahlsystem (zollbasiert) – Die Grössenangabe erfolgt ebenfalls in Zoll, jedoch mit Brüchen, z. B. 26 x 1 ½ oder 28 x 1 ¼. Obwohl Dezimal- und Bruchwerte mathematisch ähnlich wirken, stehen sie oft für unterschiedliche Reifen- und Felgengrössen und sind deshalb in der Regel nicht austauschbar (1,75 ≠ 1 ¾).
  • Französisches System (metrisch) – Die Grösse wird in Millimeter angegeben, z. B. 700 x 35 C. Die erste Zahl bezeichnet den ungefähren Aussendurchmesser, die zweite die Reifenbreite. Der Buchstabe am Ende (A, B, C) gibt den passenden Innendurchmesser bzw. die Felgenart an. Dieses System wird vor allem bei Renn- und Tourenrädern verwendet.
  • ISO / E.T.R.T.O.-System (metrisch) – Das heute gebräuchliche und eindeutige Normsystem, z. B. 40-635. Die erste Zahl gibt die Reifenbreite in Millimeter an, die zweite den exakten Reifeninnendurchmesser bzw. Felgendurchmesser in Millimeter. Stimmen die zweiten Zahlen von Reifen und Felge überein, passt der Reifen auf die Felge.

Die Verwirrung bei Reifenmassen hat mehrere Ursachen:

  • Klassische Systeme haben den Bezug zur Realität verloren. Ursprünglich gab die Zollzahl den tatsächlichen Reifenaussendurchmesser an. Mit der Zeit wurden Reifen schmaler und sportlicher – passten aber weiterhin auf die gleichen Felgen. Die Zollangabe blieb, obwohl der echte Durchmesser längst nicht mehr stimmte.
  • Dezimal- und Bruchzahlen sind nicht dasselbe. Ein Reifen 26 x 1,75 und ein Reifen 26 x 1 ¾ scheinen mathematisch identisch – sind es aber nicht. Diese beiden Grössen sind nicht austauschbar.
  • Hersteller haben die Masse geschönt. In den 1970er und 1980er Jahren vermarkteten viele Hersteller ihre Reifen breiter als sie tatsächlich waren – um im Vergleich leichter zu wirken.

Die Lösung: der ETRTO-Code. Das ISO-System verwendet zwei eindeutige Zahlen – Reifenbreite und Felgeninnendurchmesser in Millimeter (z.B. 40-635). Wenn diese Zahl auf Reifen und Felge übereinstimmt, passt der Reifen. Punkt.

Alle Masse in der Übersicht

12″

Ausführungen

Wulstreifen, Drahtreifen und Collés

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Wulstreifen der Standard. Sie haben am Rand einen Wulst, der in die dafür ausgelegte Wulst-Felge eingehakt wird. Wer ein Vorkriegsvelo oder ein frühes Nachkriegsmodell besitzt, wird womöglich einen Wulstreifen benötigen. Insbesondere beim Militärvelo sowie dem Postvelo blieben Wulstreifen noch viele Jahrzehnte gebräuchlich. In unserem Shop findest du die beiden gängigsten Grössen: 26″ x 1 1/2″ (passend zum Militärvelo) und 28″ x 1 1/2″ (passend zum Postvelo).

Ab den 1950er Jahren setzte sich der Drahtreifen als Standard durch – leichter, vielseitiger und bis heute die verbreitetste Ausführung. Die allermeisten Veloklassiker aus den 1960er bis 1990er Jahren fahren auf Felgen, auf die ohne weiteres Drahtreifen aus aktueller Produktion aufgezogen werden können. Auch moderne Faltreifen, die statt eines starren Drahtes einen flexiblen Kevlar- oder Aramidfaden besitzen, eignen sich in der Regel.

Bei alten Renn- und Bahnrädern kamen auch Schlauchreifen, sogenannte Collés zum Einsatz. Bei diesem Reifentyp, auch Tubular genannt, sind Reifenmantel und Schlauch eine geschlossene Einheit. Der Schlauchreifen ist rundum geschlossen, wobei ein spezieller Kleber den Reifen auf der Felge hält.

Klassische Profile und Farben

Für Veloklassiker empfehlen sich Reifen mit zeitgemässem Profil. Besonders authentisch wirkt das Blockprofil – gleichmässig angeordnete Profilblöcke, wie sie auf Alltagsvelos der Nachkriegszeit üblich waren. Für sportlichere Modelle ist ein feines Rillenprofil passender.

Neben dem Profil trägt die Farbe viel zum authentischen Erscheinungsbild bei. Klassische Ausführungen sind:

  • Beige / Crème – gänzlich in einem warmen Beigeton gehalten
  • Gumwall – die Seitenflanke bleibt im natürlichen Braunton des Gummis, typisch für Velos der 1950er bis 1970er
  • Weisswandflanken – weisse Seitenflanken, elegant und typisch für gehobene Modelle jener Zeit

Reifenhersteller

Die Originalreifen auf alten Schweizer Fahrädern stammten häufig von Maloja oder Dätwyler (bekannt für den Bullcord). Reifen dieser Hersteller sind bekannt für ihre gute Haltbarkeit, werden aber seit Jahrzehnten nicht mehr produziert. Aus Europa waren traditionsreiche Marken wie Michelin, Continental oder Vredstein verbreitet. Michelin stellt bis heute klassische Modelle wie den World Tour oder den Dynamic Classic her – passend für viele Veloklassiker.

Wie pflege ich einen alten Veloreifen?
Falls dein Veloklassiker noch alte Originalreifen besitzt, die lediglich etwas spröd geworden sind, kannst du die Optik und Lebensdauer verbessern, indem du sie mit einem Reifenpflege- oder Silikonspray besprühst. Achte darauf, dass Laufflächen und Felgen frei bleiben.

Reifeninnendurchmesser

Schläuche

Wulstreifen

Kann ich einen Faltreifen auf die Felge eines alten Fahrrads aufziehen?
Fall du ein altes Fahrrad besitzt und dich fragst, ob du an diesem auch einen Faltreifen benutzen kannst, hier die Antwort: Ja, auch moderne Faltreifen, die statt eines starren Drahtes einen flexiblen Kevlar- oder Aramidfaden besitzen, eignen sich in der Regel zum Einsatz an einem alten Velo. Entscheidend ist, dass der Innendurchmesser und die Breite des Reifens auf die Dimensionen der Felge abgestimmt sind.